„Supermoon May 2021“

2022-02-13

Dieses Bild ist sicher eines derjenigen in die ich die meiste Arbeit gesteckt habe, sowohl für die Planung, wie auch für die eigentliche Aufnahme als auch die Nachbearbeitung.

Nikon Z6 + AF-S 200-500@500mm, ISO800, f11, 1/4s

Planung

Ich wollte einen Baum direkt vor dem Vollmond – in einem Bild aufgenommen, keine Bildkomposition- aufnehmen, das war die ursprüngliche Bildidee. Der erste Schritt war es, einen passenden Baum zu finden. Das ist eigentlich schon die größte Schwierigkeit…

Der Baum sollte

  • Frei vor dem Himmel stehen und das nicht nur aus einer nahen Perspektive, sondern aus ca. 1km Entfernung!
  • Diese Blickrichtung muss darüber hinaus in einer passenden Himmelsrichtung (östlich/ Süd-östlich) liegen.
  • Der Baum sollte aber auch nicht zu hoch stehen, so dass man den Mond kurz nach seinem Aufgang erwischt.
  • Ein hübscher Wuchs wäre auch nicht ganz verkehrt…

Dann geht es an die eigentliche Planung (bei mir mit Photopills).

Planung in Photopills…

Der rote Punkt ist mein Standpunkt, der schwarze der Baum, die Distanz sind knapp über 800m. Die große Distanz ist wichtig, da man ein sehr langes Teleobjektiv benötigt (hier hatte ich 500mm an Vollformat, mehr wäre aber auch sinnvoll gewesen. Das Prinzip: der Mond hat von der Erde im Prinzip immer eine fast unendliche Entfernung, ist daher egal von welchem Punkt aus man fotografiert praktisch immer gleich groß, der Baum ist aus 1km natürlich deutlich kleiner als aus 500m Abstand.
Resultat: der Baum erscheint – im Verhältnis zum Mond – immer kleiner. Daher kann man den Baum fast komplett vor dem Mond positionieren. Um das hier komplett zu schaffen, hätte ich eine Distanz von vielleicht 1500-2000m benötigt (und dann möglichst ein 800-1000mm Objektiv).

Es gibt leider auch nur wenige Tage im Jahr, an denen der Vollmond passend aufgeht, mal ist es die falsche Himmelsrichtung (an der obigen Position müsste ich diesen Monat direkt nach Osten fotografieren, dafür passt dieser Baum nicht. Darüber hinaus sollte der Mond eine Höhe von ca. 1° („Azimut“ haben, sonst ist er zu hoch über dem Baum und nicht davor. Diese Höhe sollte dann noch passend zur blauen Stunde erreicht werden (ist es zu hell sieht man den Mond kaum, ist es zu dunkel, so ist der Mond entweder völlig ausgebrannt, oder die Landschaft viel zu dunkel.

Ach ja, an dem einen Tag, wo das alles passt, sollte auch keine Wolke vor dem Mond stehen und man muss auch an der genau richtigen Stelle stehen…

Hier war ich eigentlich einen Tag zu spät dran. Am 26.5.21 wäre ideal gewesen, da war der Mond um 21:45 auf der idealen Position, also ca. 30 min nach Sonnenuntergang, aber da war es leider bewölkt, am 27.5. war der Mond erst gegen 23:00 auf besagter Position, da war es eigentlich schon zu dunkel. Am 25.5. wäre dagegen erst 45min später die Sonne untergegangen…

Genug der Planung? Leider noch nicht ganz… Mond und Baum sollten beide im Fokus sein, daher ist etwas abblenden gut und man sollte die „Hyperfokale Distanz“ erwischen, damit die Schärfe auch gewährleistet ist, hier war das bei f11. Um die ISO nicht unnötig hoch zu treiben (hier ISO800) hatte ich eine Belichtungszeit von 1/4s (zu lange geht auch nicht, der Mond bewegt sich recht schnell…). Das Stativ sollte bei 1/4s und 500mm Brennweite auch noch stabil bleiben.

Die Aufnahme

Tatsächlich war am 27. dann das Wetter ok, ich musste das Stativ zwar schnell etliche Meter umpositionieren, da der Standpunkt in Photopills doch nicht zu 100% korrekt war. Aber das war das geringste. Die Bilder haben dann gepasst, aber selbst mit 500mm waren Baum und Mond recht klein, mit montiertem Telekonverter war ich dafür nicht mit der Schärfe zufrieden.

Hier das Original

Das unbearbeitet Original…

Bearbeitung

Hier war viel croppen erforderlich, dazu ein Entrauschen in DXO Pure Raw, dazu deutliches Aufhellen um teilweise über 4 Blenden und partielle Bearbeitung, auch um das Wegkreuz noch sichtbar zu machen…

Videotipp

Der (geniale!) Youtube-Channel „Photography Online“ von der Isle of Sky hat sich über 2 Jahre ebenfalls mal an einem Shot dieser Art versucht (habe ich zum Glück nie gesehen, sonst wäre ich wohl ziemlich entmutigt gewesen…).
In diesen Berichten geht es (unter anderem) darum hier und hier.
Aber auch alle anderen Folgen dieses Kanals sind unbedingt sehenswert!

Tipp

Ein „Mond vor Objekt“-Shot ist extrem aufwendig und benötigt auch eine große Portion Glück.[Edit: Das muss natürlich „Objekt vor Mond“-Shot heißen, das andere nennt sich „Sonnenfinsternis…]
Ein Composite ist in ein paar Minuten gemacht und relativ simpel – aber das befriedigt lange nicht so wie ein „echtes“ Bild.

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