„Das ideale Bergstativ“ Teil 6 – Test des Novoflex TrioBalance

[Werbung – naja, ich habe mir das Stativ selbst bei Novoflex vor ca. 2 Jahren gekauft, daher tatsächlich ein absolut unabhängiger Erfahrungsbericht, trotzdem markiere ich hier mal als „Werbung“, einfach um safe zu sein]

Das Novoflex TrioBalance ist eigentlich kein Bergstativ – aber es kann eines werden! Tatsächlich bietet Novoflex eher „individuelle Bausätze“ als „fertige Stative“ an.

Baukastensystem

Novoflex bietet diverse Stativschultern und Beine an, die sich recht frei miteinander kombinieren lassen.
Das TrioBalance ist eine Stativschulter mit integrierter Nivelliereinheit, daneben gibt es das ganze auch noch ohne Nivelliereinheit („TrioPod“), in 3 größeren Ausführungen („QuadroPod“, „TrioPod M“, „TrioPod Pro75“) und in zwei Versionen ohne Beinverstellung (bzw. nur zum direkt im passenden Winkel einschrauben) mit dem „BasicBall“ und dem ultrakleinen „BasicPod“.

Daneben gibt es diverse Beine in Carbon und Alu, jeweils in verschiedenen Längen, dazu noch Beinverlängerungen. Hier habe ich die C2253, also die dünnsten Beine (5 Segmente, 22mm Hauptdurchmesser), mit allen anderen Beinen wird das Gewicht deutlich gerissen.

Von kurzen Tischstativbeinen (2820), über lange mit 3 Segmente (2830), kurze mit 4 Segmenten (2844) bis hin zu langen mit 4 Segmenten (2840), dazu noch die dickeren Ausführungen für das TrioPod pro75-System sowie nicht ausziehbare Minibeine und Wanderstöcke, die alternativ auch als (starre, nicht ausziehbare) Beine genutzt werden können („QuadroLeg“).
Ich selbst habe die C2253, A2830 und A2840 („A“ steht hier für die Aluminiumversion), dazu die Minibeine, die 50cm Verlängerungsstücke, die Wanderstöcke dazu den TrioBalance-Kopf, den TrioBall und den TrioPod…

v.o.n.u. Basicpod, BasicBall, TrioBalance – Köpfe, Minibeine, C2253, A2840, 50cm Verlängerung

Um vergleichbar zu sein, habe ich die Kombination aus TriBalance mit Z-Neiger von MSM und den C2253 Carbonbeinen gewählt. Damit bewegt sich das Gewicht in ähnlichen Dimensionen.

knapp 1300g
Höhe ca. 110cm
mit aufgestelltem Z-Bracket um die 115cm

Die Schiene in den obigen Bildern dient zum einen dazu die Parallaxe bei Panoramen zu vermeiden, zum anderen um die Arca-Swiss- Aufnahme am Neiger nicht jedes Mal von quer auf längs umstellen zu müssen (normal nutze ich Quer für meine L-Brackets, aber für lange Objektive ist der Arca-Swiss-Anschluss eben immer längs…).

Beine

Die Beine C2253 haben 5 Segmente, das dickste hat 22mm Durchmesser.
22 – 19,2 – 16 – 13,3 – 10mm
Das dünnste Segment ist das zweitdünnste hier im Vergleich.

Anders als bei den anderen Novoflex-Beinen haben diese hier keinen ⅜“ Schraubanschluss für Spikes, statt dessen haben die C2253 Gummifüße unter denen sich noch kurze Spikes befinden.

Stativschulter

Die TrioBalance -Stativschulter zeichnet sich vor allem durch die eingebaute Nivelliereinheit aus. Durch den seitlichen Hebel kann die Einheit bis zu 20° Unebenheit ausgleichen.

Nivellierung in Aktion

Allerdings wiegt das ganze schon mal üppige 470g und kostet €339.
Dafür ist das ganze Made in Memmingen und sehr gut verarbeitet – und vor allem beliebig kombinierbar.

TrioBalance mit den A2840 und BasicPod mit den C2253-Beinen

So lassen sich sowohl die Beine mit anderen Stativschultern, wie auch der TrioBalance mit stabileren und längeren Beinen oder Makrobeinen kombinieren.

mit den A2840- Beinen

Mit den A2840 oder C2840 kommt man auf eine Arbeitshöhe von 150cm – ohne Kopf.

Nutzt man zusätzlich noch die 50cm Beinverlängerungen kommt man auf über 190cm

194,5cm – ohne Kopf

Letzteres ist schon eine verblüffende Höhe

Allerdings kommt man mit den A2840 und einem kompakten Kugelkopf auch schon auf 2055g – und die 50cm Zusatzbeine wiegen nochmals 690g zusätzlich.
Mit den C2840 Carbonbeinen würde man insgesamt 330g sparen.

Das Stativ kann aber neben „Hoch“ auch „Mini“, hier sind -je nach Set- die kurzen Beine teilweise auch mit dabei.

Alle drei Beine sind abschraubbar und lassen sich auch als Einbeinstativ benutzen. Das ist bei den A2840 praktikabel, die C2253 sind dafür aber eigentlich zu kurz. Damit habe ich nur 106cm Höhe, für mich deutlich zu wenig für ein Einbeinstativ, selbst wenn man im Sitzen fotografiert.

Die Beine besitzen Höhenmarkierungen, diese sind aber recht grob (3cm) und auf dem obersten einschiebbaren Segment untergebracht,

das hat Vorteile, da man hier zum nachjustieren am Besten hinkommt, aber andererseits sollte man natürlich eher an den „schwachen“ Segmenten an Höhe reduzieren.

Die Verschlüsse sind gut, allerdings sind alle Beine mit einem Schaumstoff umwickelt, der mit der Zeit anfängt zu rutschen. Bei den C2253 ist das noch ok, die A2840 drehen aber leicht durch, was besonders ärgerlich ist, da man daran häufig dreht um die Beine auszutauschen.

Das Transportmaß beträgt sehr kurze 40cm.

QLeg Walk III – Stöcke

Alternativ zu den Beinen bietet Novoflex auch Wanderstöcke an, die man als Beine nutzen kann, die QLeg Walk 3 (Made by Komperdell).

Die Wanderstöcke – üblicherweise ja ein Paar- können mit den C2253 (oder allen anderen Beinen) kombiniert werden. Novoflex verkauft in ihren Sets üblicherweise 2 Stöcke und einen C2253.
Die Stöcke sind gute Aluminium-Carbon-Mix- Stöcke, die von 119cm (was recht lang für kleinere Personen ist, ich (1,72m) nutze meist nur 115cm Stöcke) bis 145cm ausziehbar sind. Schneeteller und eine Tasche sind hier ebenfalls dabei. Der Griff ist ein sehr langer Schaumstoffgriff. Die Stöcke wiegen 268g/ Stück.

Verstellbereich

Für die Nutzung als Stativbein muss man leider etwas basteln, dazu muss der Verschluss geöffnet werden und der Griffteil abgezogen werden, dann erscheint das Gewinde. Als Stativbeine sind die Stöcke nicht mehr verstellbar (wie der Vorgänger, die QLeg 2), sondern sie sind starr und etwas länger als die C2253.

Aufgebaut hat man eine fixe Höhe von max. 109cm, allerdings muss man die Nivellierung nutzen, da die Stativschulter durch die unterschiedliche Beinlänge immer schräg steht. Man kann allerdings die Stöcke etwas weiter abspreizen und dann mit der Höhe des C2253 anpassen, dadurch sinkt aber die mögliche Höhe auf 96 cm.

Ein bodennahes Arbeiten ist wegen der starren Beine dann auch nicht mehr möglich.

Wenn man sowieso Wanderstöcke mit dabei hat, dann „spart“ man natürlich 2x 268g, hat dann also rein rechnerisch nur noch 650g (+ Kopf) – dafür aber eine Menge Bastelei und wenig Flexibilität.

Der TrioBalance

Die Stativschulter TrioBalance ist extrem hochwertig gefertigt, ich vermute, dass alles auch reparierbar wäre. Die Nivellierung ist schnell einstellbar und dennoch ausreichend fest. Die Beine rasten in 4 Winkeln ein, hierfür muss jeweils der blaue Knopf gedrückt werden, der ist recht schwergängig. Die Beine lassen sich mit einem guten Widerstand verstellen, allerdings benötigt man mit den kurzen Makrobeinen viel Kraft, bei den langen Beinen kein Problem.

Seitlich findet sich noch ein ¼“ Anschluss für Zubehör. Eine Befestigung für einen Haken oder gar einen Haken gibt es nicht. Novoflex (und viele andere Anbieter) bietet im Zubehör einen „Stonebag“, also eine flache Tasche an, die mit je einem Klettverschluss an allen Beinen befestigt wird, an. Das ist zwar eigentlich das bessere Konzept, aber wer einfach mal seinen Rucksack als Gewicht anhängen oder auch nur seine Filtertasche befestigen will, der hat dazu erst mal keine Möglichkeit.

Es gibt Personen, die den TrioBalance ohne einen extra Kopf, bzw. nur mit einer aufgesetzten Arca-Swiss-Klemme betreiben. Bei 20° Verstellbereich (und wenn man für Hochkantaufnahmen einen L-Bracket nutzt) kann das funktionieren. Allerdings fehlt dann auch jegliche Panoramafunktion. und auch für Astroaufnahmen sind 20° eigentlich zu wenig.
Ich habe daher den sehr leichten Z-Neiger von MSM montiert, der ähnlich funktioniert wie ein 2-Wege-Neiger. Dazu kann man damit auch noch mal ein paar cm aus dem recht kleinen Stativ rausholen.

Z-Bracket von MSM

Das Z-Bracket besitzt 2 Wasserwaagen und wirklich sehr solide Klemmungen. Ich habe darauf noch einen Arca-Swiss- Anschluss gebaut, diesen muss man aber ummontieren, wenn man die Klemmung mal „längs“ und mal „quer“ benötigt. Ich nutze daher auch noch einen „Nodal-Rail“, sowohl als „Nodalschiene“ wie auch als längs/quer- Adapter.

BasicPod

Nicht das Thema hier, aber wenn man den BasicPod mit den C2253 und einem leichten Kopf kombiniert kommt man auf gerade mal 808g, hat aber nur 2 Winkel, hoch und bodennah, die man auch nour durch umschrauben erreicht. Dafür ist das durch die Schraubverbindung recht solide.

Nutzt man den BasicPod mit den Stöcken und einem C2253 kombiniert, so kommt das Set mit leichtem Kopf auf 979g – für „Stativ und Stöcke“ sehr leicht.

Fazit

Die Kombination aus TrioBalance und C2253 könnte eine tolle Bergkombi sein, aber sie ist verhältnismäßig schwer und sehr teuer. Dafür sind die Kombinationsmöglichkeiten unübertroffen.
Nur als „Bergstativ“ ist die Kombination nicht optimal, allerdings kann man sich durch die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten „mehrere“ Stative ersetzen. Von einem ultraleichten Makrostativ (BasicPod + Minifüße oder C2253) über ein kurzes Bergstativ, eine leichte Stativ-Stock- Kombo, einem Einbeinstativ bis hin zu einem großen und hohen Stativ mit 190cm Bauhöhe (TrioBalance + QLEG50 – Verlängerung + C2840) kann man sich fast alles bauen. Auch exotisches wie ein „Anlehnstativ“ mit 2 kurzen und einem langen Bein usw.
Qualitativ ist Novoflex extrem hochwertig, die Beine sind allerdings nicht ganz auf dem Level der Metallhardware. Das Einschrauben ist manchmal etwas hakelig, die Schaumstoffe sitzen zu locker.

Das System ist durchdacht, aber an manchen Stellen hakt es eben auch, z.B. weshalb sind die Stöcke nicht mehr höhenverstellbar oder zumindest auf die Länge des C2253 abgestimmt (oder besser: weshalb gibt es kein C2254 mit der „passenden“ Länge?).

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